Der vierzehnte Newsletter (2026)

Liebe Freund*innen,
Grüße aus dem Büro von Tricontinental: Institute for Social Research.
Während sich die Gewalt von der Karibik bis nach Westasien ausbreitet, lähmt der Angriffskrieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran die Weltwirtschaft. Die Folgen waren vorhersehbar: Es war bekannt, dass die Straße von Hormus – durch die ein Viertel des weltweiten Öltransports auf dem Seeweg verläuft – zu einem Engpass werden würde, sollten die Vereinigten Staaten und Israel den Iran angreifen. Mit steigenden Ölpreisen verschärfen sich die geopolitischen Spannungen. Es scheint, als könne kaum etwas getan werden, um die Lawine von Katastrophen abzuwenden, die Washington und Tel Aviv über die Welt gebracht haben. Bereits demoralisiert durch die Unfähigkeit, den Völkermord an den Palästinenser*innen zu stoppen, werden die arbeitenden Menschen weltweit nun Zuschauer*innen eines weiteren Krieges, den wir uns nicht ausgesucht haben. Angesichts dieser Realität ist es leicht, in Gefühle von Wut bis zu Verzweiflung abzurutschen.

Es herrscht ein Krieg gegen den Planeten – ein endloser Krieg.
Diese Aussagen sind keineswegs übertrieben. Bei einer der täglichen Pressekonferenzen der Vereinten Nationen warnte Máximo Torero, Chefökonom der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO): «Dies ist nicht nur ein Energieschock. Es handelt sich um einen systemischen Schock, der die Agrar- und Ernährungssysteme weltweit betrifft.» Auf die Region am Persischen Golf entfällt fast die Hälfte des weltweiten Schwefelhandels; dieser wird zur Herstellung von Schwefelsäure verwendet, die für die Verarbeitung von Rohphosphat zu Düngemitteln benötigt wird. Störungen auf diesem Markt haben bereits zu einem dramatischen Anstieg der Düngemittelpreise geführt. Das verursacht Probleme für Landwirt*innen, die bereits Getreide angebaut haben oder dies in der kommenden Saison planen. Torero fügte hinzu: «Landwirt[*innen] sehen sich mit einem doppelten Kostenschock konfrontiert: Sie haben teurere Düngemittel und gleichzeitig steigende Kraftstoffkosten, die die gesamte landwirtschaftliche Wertschöpfungskette betreffen, einschließlich Bewässerung und Transport». Selbst wenn der Krieg jetzt endet, dürften die Lebensmittelpreise bis ins nächste Jahr hinein hoch bleiben. Angesichts der Schuldenlasten und Sparmaßnahmen, denen so viele Länder im Globalen Süden bereits ausgesetzt sind, werden Hunderte Millionen Menschen tiefer in Armut und Hunger getrieben.

Im Jahr 2020, auf dem Höhepunkt der Pandemie und der antichinesischen Rhetorik im Globalen Norden, veröffentlichte die Kampagne «No Cold War» eine Erklärung mit dem Titel «Ein neuer Kalter Krieg gegen China richtet sich gegen die Interessen der Menschheit». Die 176 Wörter umfassende Erklärung, die in zwanzig Sprachen übersetzt wurde, forderte Zusammenarbeit statt Konfrontation zwischen den Ländern der Welt. Sie wurde von über zweitausend Menschen sowie mehr als zwanzig Friedensorganisationen und -plattformen unterstützt. In den letzten fünf Jahren ist das Kollektiv, das die Kampagne «No Cold War» leitet und dem ich angehöre, auf fast zwanzig Mitglieder aus zahlreichen Organisationen angewachsen. Neben unseren Erklärungen veröffentlichen wir regelmäßig Essays in unserer Reihe Perspectives und diskutieren über Krieg und Frieden. Wir laden euch ein, unsere neue Website zu besuchen, auf der ihr eine Liste der Mitglieder unseres Kollektivs findet und erfahrt, wie ihr euch an unserer Arbeit beteiligen können.
Als Reaktion auf die wachsende Gefahr eines größeren Konflikts hat «No Cold War» eine Stellungnahme zu diesem endlosen Krieg verfasst:

Die kapitalistischen Vereinigten Staaten haben dem Planeten seit 1776 – also während mehr als 90 % ihrer Existenz – einen Krieg nach dem anderen aufgezwungen; nur in ihrer Anfangszeit gab es eine kurze Unterbrechung von wenigen Jahren. Fast alle diese Kriege waren Kriege, die oft sehr weit vom US-amerikanischen Festland entfernt stattfanden (die Kriege auf den Philippinen und in Vietnam zum Beispiel in 13.000 Kilometern Entfernung). Diese Kriege führten zum Tod von Millionen von Zivilist*innen, schreckliche Waffen wurden eingesetzt (darunter Atombomben in Japan und chemische Waffen in Vietnam und im Irak). Fünfundvierzig Männer waren Präsident der Vereinigten Staaten. Jeder von ihnen hat sein Land in einen ausländischen Krieg oder einen Krieg gegen Bewohner*innen des von ihnen besiedelten Landes verwickelt, insbesondere gegen amerikanische Ureinwohner*innen, versklavte Afrikaner*innen und Einwanderer*innen. Diese kriegerische Gewohnheit schert sich nicht mehr um US-Recht (insbesondere die War Powers Resolution von 1973) und gestattet es den US-Präsidenten stillschweigend, die massive Militärmacht der USA gegen den Planeten einzusetzen.
Dieses Muster zeigt sich deutlich in der gegenwärtigen Situation. Fünf große Konflikte wurden 2026 von US-Präsident Donald Trump eskaliert oder entzündet. Drei davon werden gemeinsam mit der israelischen Regierung geführt, die eng mit der US-Regierung zusammenarbeitet, wobei europäische Länder diplomatische Unterstützung und Waffen bereitstellen. Jeder dieser Kriege verstößt gegen die Charta der Vereinten Nationen und stellt somit eine illegale Handlung dar, die vom UN-Sicherheitsrat verurteilt werden sollte; alle sind Angriffskriege, was bedeutet, dass die Person, die sie genehmigt hat, ein Kriegsverbrecher ist.

- Venezuela. Am 3. Januar 2026 verstießen die Vereinigten Staaten gegen Artikel 2 der UN-Charta, als sie in einen UN-Mitgliedstaat einmarschierten, dessen amtierendes Staatsoberhaupt entführten und das Land zwangen, sich den von der US-Regierung formulierten Forderungen zu beugen.
- Kuba. Die Vereinigten Staaten führen seit 1960 eine illegale Wirtschaftsblockade gegen Kuba durch und verstoßen damit gegen Artikel 41 der UN-Charta, der Sanktionen durch Dritte nur auf der Grundlage einer Resolution des UN-Sicherheitsrats zulässt (von der es keine gibt). Diese Blockade wurde am 29. Januar 2026 verschärft, als Trump allen Drittländern untersagte, Kuba mit Öl zu beliefern und das Land zwang, mit etwa einem Drittel seiner Energieversorgung auszukommen.
- Iran. Am 28. Februar 2026 begannen die Vereinigten Staaten und Israel unter Verletzung von Artikel 2 der UN-Charta eine Welle von Angriffen auf den Iran, bei denen sie rücksichtslos Zivilist*innen töteten, Infrastruktur im ganzen Land zerstörten und den Obersten Führer Ali Khamenei ermordeten. Diese Angriffe erfolgten weniger als ein Jahr, nachdem die Vereinigten Staaten und Israel im Juni 2025 zwölf Tage lang Irans Kernkraftwerke bombardiert hatten. Die jüngsten Bombardements provozierten Vergeltungsmaßnahmen des Iran gegen US-Militärstützpunkte, die für die iranischen Nachbarn weniger Schutzschilde als vielmehr Ziele darstellen. Der Krieg hat zur teilweisen Sperrung der Straße von Hormus geführt, was eine weltweite schwere Kraftstoff- und Nahrungsmittelkatastrophe zur Folge hatte.
- Libanon. Unter Ausnutzung des Krieges gegen den Iran hat Israel unter Verletzung von Artikel 2 der UN-Charta den Süden des Libanon und dessen Hauptstadt Beirut rücksichtslos bombardiert. Ein Fünftel der Bevölkerung wurde vertrieben, Tausende Zivilist*innen wurden getötet und verwundet.
- Palästina. Im Rahmen des endlosen und brutalen Völkermords am palästinensischen Volk hat Israel trotz des Waffenstillstands wiederholt Städte im Gazastreifen angegriffen und Land im besetzten Westjordanland beschlagnahmt sowie Palästinenser*innen aus dem Gebiet vertrieben, was gegen mehrere UN-Resolutionen zur israelischen Besetzung Palästinas verstößt.

Diese fünf Kriege stehen miteinander in Zusammenhang und sind Teil des von den USA vorangetriebenen Imperialismus, der den Planeten zunehmend prägt (wir sind uns anderer Kriege bewusst, beispielsweise in Myanmar, im Sudan und in der Ukraine, doch diese werden Gegenstand einer anderen Stellungnahme sein). Da es den Vereinigten Staaten nicht gelingt, eine Agenda zur Wiederherstellung ihrer geschwächten Wirtschaftsmacht und zur Eindämmung des Aufstiegs des Globalen Südens (insbesondere Chinas) voranzutreiben, haben sie den Fokus auf ihre militärische Macht verlagert. Doch selbst hier stellen die Vereinigten Staaten fest, dass sie zwar Infrastruktur zerstören und Zivilist*innen töten können, aber die politische Unterwerfung der Nationen nicht erreichen. Jedes dieser Länder steht aufrecht. Keines von ihnen ist bereit, sich zu ergeben.
Verzweiflung und Demoralisierung dürfen nicht die Stimmung der Menschen weltweit bestimmen. Von Kuba bis Palästina wehren sich diejenigen, auf die geschossen wird, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Sie verlangen von der Welt, dass sie ihnen zur Seite steht und nicht den Mut verliert. Sie verlangen eine Verurteilung des US-Imperialismus, und sie verlangen, dass wir solche Gewalt niemals als normal hinnehmen. Diese Kriege scheinen kein Ende zu nehmen. Aber sie werden enden. Der menschliche Geist ist viel zu stark, um von Peinigern besiegt zu werden. Er nutzt jeden Weg, um eine Welt abzulehnen, in der diese Geschichte des endlosen Krieges unsere Zukunft bestimmt.

Die Zeit, in der wir uns befinden, erfordert Stärke. Diese Stärke kommt aus unserer eigenen Menschlichkeit, aber auch aus dem Beispiel derer, die vor uns gekämpft haben. Saïda Menebhi (1952–1977), Lehrerin und Mitglied der marokkanischen marxistischen Organisation Ila al-Amam («Vorwärts»), war eine von ihnen. Am 16. Januar 1976, während der «Bleizeit» (Les années de plomb) in Marokko, als die Monarchie keinerlei Wort oder Tat zugunsten einer Republik duldete, geschweige denn des Sozialismus, wurde Genossin Saïda verhaftet. Sie wurde im Folterzentrum von König Hassan II., Derb Moulay Cherif, festgehalten, wo sie dieses Gedicht schrieb, das mir noch immer Gänsehaut bereitet:
Weißt du, mein Kind,
ich habe ein Gedicht für dich geschrieben,
aber zürne mir nicht,
denn das Schreiben ist diese Sprache,
die du noch nicht verstehst.
Es ist nichts, mein Kind,
wenn du älter bist,
wirst du diesen Traum begreifen,
den ich mitten am Tag geträumt habe.
Wenn du an der Reihe bist, wirst du die Geschichte dieser Frau erzählen,
einer arabischen Gefangenen
in ihrem eigenen Land
Arabisch bis in ihre weißen Haare
ihre grünlichen Augen
der Traum, mein Kind
beginnt
wenn ich eine Taube sehe
die Vögel, die ihre Nester bauen
auf den Dächern der Gefängnisse
Ich träume davon, eine Botschaft an die Revolutionäre
Palästinas zu senden
um ihnen Unterstützung für den Sieg zuzusichern
Ich träume davon, Flügel zu haben
genau wie Spatzen
um den Himmel zu durchqueren
bis nach Eritrea
bis nach Dhofar
die Arme schwer mit Gewehren
den Kopf voller Gedichte
Ich möchte eine Reisende sein
an Bord der Wolken
in meiner Kriegsmontur
im Kampf gegen Pinochet
im Hinterland von Chile
damit mein Blut fließt
auf chilenischem Boden
den Neruda besang
o mein Traum
rotes Afrika
ohne hungernde Kinder
Ich träume,
dass der Mond
da oben herunterfallen wird,
um den Feind zu vernichten,
und dass der Mond mich zurücklassen wird
in Palästina oder in der Sahara,
irgendwo,
wo ich für den Sieg kämpfe
Für alle Menschen, die Kämpfer sind.
Ende 1977 schloss sich Genossin Saïda einem Hungerstreik an, um gegen die Politik des Königs zu protestieren, politische Gefangene wie Abdellatif Laabi, Abraham Serfaty, Fatima Oukacha, Piera di Maggio, Rabea Ftouh und sie selbst in Isolationshaft zu halten. Am 11. Dezember desselben Jahres wurde Saïda ins Ibn-Rushd-Krankenhaus in Casablanca eingeliefert, wo sie im Alter von fünfundzwanzig Jahren starb. Die Erinnerung an ihren Mut und das Gedicht, das sie uns hinterlassen hat, stärken uns im Kampf gegen den endlosen Krieg.
Herzlichst,
Vijay

